Die stürmischen Auswirkungen der revolutionären Änderungen machten auch an der "Königlichen Ludwigsrealschule" in Deggendorf nicht Halt. In einer Zeit, in der die Weimarer Republik gegründet wurde, in Bayern die Räterepublik Kurt Eisners herrschte und selbst in Deggendorf ein Arbeiter- und Bauernrat kurzfristig das Sagen hatte, geriet der überzeugte Monarchist Dr. Wörle ins Kreuzfeuer der Kritik. Als typischer Vertreter der alten Ordnung ließ er sich auf eigenes Ansinnen bereits am 01.09.1918 an die Realschule Kempten versetzen. Zu seinem Nachfolger wurde der Würzburger Gymnasialprofessor Dr. Franz Höherl als Rektor berufen. Er versuchte die Tradition seines Vorgängers fortzuführen und gleichzeitig die demokratischen Reformen im Schulsystem umzusetzen. So wurde der Zeit gemäß der Titel "Königliche Ludwigsrealschule" "entmonarchisiert", als offizielle Bezeichnung führte man nun den Namen "Ludwigs-Realschule Deggendorf". Ende 1918 wurde gemäß einer ministeriellen Entschließung ein vierköpfiger Schülerausschuss dem Schulvorstand zur Seite gesetzt. Ab dem Schuljahr 1919/20 durften zum ersten Mal Mädchen die Realschule besuchen, wenn es am selben Ort keine Mädchenrealschule gab. Im selben Jahr wurde auf Anweisung des Ministeriums ein Elternbeirat gegründet, der sich aus vier gewählten Elternteilen und dem Vorstand des Heims zusammensetzte. Der Rektor und ein gewählter Vertrauensmann füngierten lediglich als beratende Mitglieder. Neben diesen demokratischen Schulreformen wurden auch 1922 das Fach "Handelskunde" neu eingeführt. Für diesen Zweck wurde der Schule ein hauptamtlicher Lehrer zugeteilt. Im Schuljahr 1926/27 wurde zudem eine verpflichtende "Berufsberatung" für alle Schüler angeboten, die von einem Mitglied des Lehrerkollegiums durchgeführt wurde

Schule und Heim schienen unter dem Rektorat Dr. Höherls einer neuer Blüte entgegenzugehen. Die Schülerzahlen stiegen von Jahr zu Jahr; doch damit auch zusehends die Probleme: Als mit Wirkung vom 01.04.1924 alle bayerischen Realschulen vom Staat übernommen wurden, war man wegen der hohen Schulkosten von Seiten der Stadt über diese Regelung nicht unglücklich. Allerdings waren durch die unterschiedliche Trägerschaft, das Heim weiterhin in städtischer Hand, die Realschule nun in staatlicher Hand, Schwierigkeiten vorhersehbar. Und in der Tat kam es zwischen dem tüchtigen Heimleiter Studienprofessor Johann Grießmann und Rektor Dr. Höherl zu massiven Meinungsverschiedenheiten, die zuerst an den Stadtrat und von hier aus an das zuständige Ministerium weitergeleitet wurden. Eine zu diesem Zweck eingesetzte Kommission nahm eindeutig zu Gunsten des Heimleiters Stellung, dessen Arbeit gelobt wurde. Damit verschlechterte sich aber auch das anfangs gute Verhältnis zur Stadt, was sich im Endeffekt negativ für Schule und Heim auswirkte. Außerdem gab es an der Schule selbst große Schwierigkeiten zwischen Schulleitung und Kollegium. Politisch unterschiedliche Standpunkte prallten aufeinander, so dass die politische Zerrissenheit des Kollegiums sich negativ auf die Schulatmosphäre auswirkte. Schließlich hatten viele Schüler ohne entsprechende Eignung an die Realschule gedrängt, was zu einer hohen Durchfallquote führte. All diese Probleme gipfelten in der Anklage Dr. Höherls wegen Urkundenfälschung. Er wurde gerichtlich belangt und im Range eines Oberstudienrates an das Würzburger Realgymnasium versetzt. Im Gegenzug kam der dortige Studienprofessor Eduard Bleifuß als Schulleiter an die hiesige Schule.
Dem ehemaligen kaiserlichen Regierungsbeamten gelang es in seiner bestechenden Liebenswürdigkeit und mit großer Diplomatie innerhalb kürzester Zeit die vorhandenen Gegensätze zwischen Schule, Stadt und Heim auszuräumen und die politischen Differenzen im Kollegium unter Kontrolle zu halten. Einen ersten Höhepunkt stellt das "Wiedersehensfest ehemaliger Absolventen und Mitschüler der Ludwigsrealschule Deggendorf anlässlich des 25jährigen Bestehens der Schule" am 5. und 6. September 1925 dar. Die zweitägige Feier, deren Höhepunkte der Festakt im Rathaussaal mit der Ansprache des ehemaligen Lehrers Leibeck Landshut, der ökumenische Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche, die mitternächtliche Illumination des Rathausturmes, die Führungen durch die Schule und die Enthüllung einer Gedenktafel für die gefallenen Lehrer und Schüler bildeten, zeigen die gute Zusammenarbeit von Schule und Stadt. Rektor Bleifuß nutzte die Gunst der Stunde und mit großem Verhandlungsgeschick gelang es ihm, die Stadt von der Notwendigkeit einer Turnhalle zu überzeugen. Bereits am 09.10.1927 konnte diese in einem feierlichen Akt eingeweiht werden. Die Stadt hatte mit ca. 100.000 Mark diesen Bau finanziert. Die Schülerzahlen an der Schule stiegen inzwischen auf 255, was Rektor Bleifuss veranlasste die Angliederung einer 7. Klasse zu erreichen. Allerdings hatten sich die Zeiten geändert. Wegen der schlechten finanziellen Lage des Staates wurde der Antrag abgelehnt. Im Städtischen Erziehungsinstitut sanken die Schülerzahlen von Jahr zu Jahr. Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und soziale Not führten zu einem dramatischen Rückgang der Schülerzahlen im Anfang 1928 hatte Rektor Bleifuß, verstimmt über seine Misserfolge, um seine Versetzung nach Cham gebeten. Als sein Nachfolger wurde Studienrat Dr. Hans Schlaffner von der Münchener Oberrealschule 3 nach Deggendorf versetzt.
Sein Rektorat fiel in die schwierige Zeit der Endphase der Weimarer Republik. Mit dem jugendlichen Elan eines jungen Schulleiters machte sich Dr. Schlaffner daran, die Angliederung der 7. Klasse durchzusetzen. Aber sein Eifer wurde jäh gebremst. Die im Zuge der Weltwirtschaftskrise notwendigen Einsparungen (Reichskanzler Brünings Deflationspolitik) schlugen sich besonders im Schulbereich nieder. So musste er gemäß einer ministeriellen Weisung alle Parallelklassen aufheben. Diese Maßnahme sollte den Zulauf zu den höheren Schulen begrenzen und zum mittelfristigen Abbau des Beamtenapparates führen. Diese Anordnung, die über 10 Jahre Gültigkeit besaß, kam einer " Kastration" der Realschule Deggendorf gleich. Die Zahl der Schüler sank von 269 (1925) auf 167 (1929). Trotzdem glaubte Dr. Schlaffner mit der Angliederung einer 7. Klasse Schule und Heim wieder attraktiver machen zu können. Da er als. Stadtrat (BVP) gleichzeitig Verwalter der Realschulgebäude war, gewann er Bürgermeister Dr. Reus und den Stadtrat für seinen Plan, das Kultusministerium zur Genehmigung der 7. Klasse zu bewegen, wenn im Gegenzug dafür das Gehalt eines Studienrates aus der Stadtkasse bezahlt werde. Leider stieß dieses opferbereite Angebot der Stadt bei den zuständigen Stellen in München auf Ablehnung. So reagierte zumindest die Stadt auf diese prekäre Situation und man fand einen Ausweg aus der Krise des Städtischen Erziehungsinstitutes. Auf Grund der hohen jährlichen Zuschüsse der Stadt für das Heim beschloss der Stadtrat am 27.01.1931 auf Vorschlag Rektor Dr. Schlaffners das Internat an den Maristen-, Fürsorge-und Missionsverein Furth b. Landshut zu verpachten. Der Pachtvertrag vom 06.03.1931 legte fest, dass die Maristen das Heim ab 1. April übernehmen. Stellen sie zudem das Heimpersonal, so brauchen sie der Stadt keine Pachtgebühren zahlen. Das Heim führte jetzt die Bezeichnung " Schülerheim der Maristen-Schulbrüder". In den ersten drei Jahren mussten die Maristen den Heimbetrieb bezuschussen. Trotzdem bekam das Schülerheim unter ihrer Führung eine neue Anziehungskraft. Nicht nur die ausgezeichnete Verpflegung, sondern auch die hervorragende erzieherische Arbeit waren dafür verantwortlich.