Der Neubau von Realschule und Internat 1913

1910 überzeugte Dr. Wörle Bürgermeister und Stadtrat von seinen Plänen, so dass zum Neubau einer Realschule auch die Errichtung eines Schülerheims beschlossen wurde. Weil aber Dr. Wörle die Hinhaltetaktik der Stadt von seinem Vorgänger kannte, begab er sich persönlich auf die Suche nach einem geeigneten Grundstück. Am besten schienen ihm dafür die "Eder-Felder" (heutige Jahnstraße) vor der Stadt geeignet. Als er schließlich die Stadtväter zum Kauf des Grundstückes für 10.000 Mark überreden konnte und für den Turnverein, dessen Sportplatz sich dort befand, ein in der Nähe befindliches städtisches Grundstück tauschen konnte, waren die ersten Hürden beseitigt.

Bauplan

Der Schott-Plan wurde von Stadtbaumeister Donhauser und der Kreisbaubehörde in Landshut überarbeitet und Anfang 1911 genehmigt. Letztendlich aber gab die ultimative Aufforderung der Regierung von Niederbayern den Ausschlag, in der man den sofortigen Neubau von Schule und Heim verlangte, sonst würde man die Realschule schließen, hatte man doch der Stadt schon vor 14 Jahren ein Fundationskapital von 30.000 Mark gegeben. Durch ein günstiges Darlehen der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank in Höhe von 150.000 Mark konnte man 1912 mit dem Bau des Städtischen Erziehungsinstitutes beginnen. Bereits im September 1912 konnten die ersten 31 Heimschüler die Realschule in der Rosengasse besuchen. Die Baukosten beliefen sich auf ca. 130.000 Mark für das Gebäude und auf ca. 13.000 Mark für die Einrichtung. Der erste Internatsdirektor war Josef Käser aus Rosenheim, der in seiner Arbeit von einem Präfekten unterstützt wurde. Inzwischen ging auch der Bau des Realschulgebäudes trotz des schwierigen Einbaus einer Eisenkonstruktion für den Schulturm zügig voran und am 16. September 1913 konnte der Umzug von der Rosengasse termingerecht erfolgen. In einer feierlichen Eröffnungszeremonie fand die Einweihung der Gebäude statt. Die Kosten für Bau und Einrichtung der Realschule beliefen sich auf insgesamt 226.000 Mark. Damit war 1913 unter großen finanziellen Anstrengungen der Stadt mit der 1912 für ca. 100.000 Mark ebenfalls neu erbauten Präparandenschule auf dem Jahnhügel das erste Schulzentrum Deggendorfs errichtet, die der Stadt das Prestige einer bedeutenden Schulstadt verheb. Auch in München war man zufrieden mit der schulischen Entwicklung in Deggendorf. So stärkte man das Ansehen der Schule ungemein, als Seine Majestät König Ludwig III. von Bayern im Juni 1914 den Titel "Königliche Ludwigsrealschule" verlieh. Die neuen Gebäude steigerten auch die Schülerzahlen in Schule und Internat. Allerdings gab es nach dem Aus­bruch des 1. Weltkrieges 1914 zunehmend Probleme in der Unterrichtserteilung, da einige Lehrkräfte zum Kriegsdienst einberufen wurden. So musste Dr. Wörle 1915 für den eingezogenen Internatsdirektor Käser die Heimleitung übernehmen, bis er in Nikolaus Woher einen neuen Heimleiter fand.
Dem Zeitgeist entsprechend gründete Rektor Dr. Wörle eine Wehrkraftgruppe an der Schule, die außerhalb des Unterrichtes die Schüler nicht nur körperlich ertüchti­gen, sondern zu praktischer Selbsthilfe erziehen sollte. Aus ihr entwickelte sich 1916/17 die .Jugendwehr", die Teil der Jugendwehr-Kompagnie Deggendorf war. Dafür gründete Dr. Wörle eigens eine Musikkapelle mit acht Trommelflöten, sechs Trommlern und sieben Blechbläsern. Im Rahmen dieser paramilitärischen Erziehung wurden neben sportlicher Ertüchtigung auch die Schüler zu landwirtschaftlichen Einsätzen auf Schloss Moos und in Landau verpflichtet. Daneben wurden die Schüler auch während der Unterrichtszeit für Sammelaktionen (Metalle, Altpapier, Bucheckern zur Speiseölgewinnung und Geld) eingesetzt.
Höhepunkte der intensiven körperlichen Ausbildung bildeten die "Luitpoldtage", an denen sich die gesamte Schulfamilie zu Spiel- und Sportveranstaltungen traf. Daraus entwickelten sich sportliche Vergleichswettkämpfe mit Schulen des ostbayerischen Raumes.
Um sich vor der drohenden Lebensmittelknappheit im Heim zu schützen, wurde im Schuljahr 1916/17 der Grasgarten im Schulhof in einen 700 m2 großen Kartoffelacker umgegraben. Gegen Kriegsende wurden die Realschüler auch zunehmend zu Arbeitseinsätzen in der heimischen Industrie und bei der Bahn rekrutiert.
Den 17 gefallenen Lehrern und Schülern wurde 1925 anlässlich des 25-jährigen Gründungsjubiläums eine bronzene Gedenktafel gewidmet.

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