Nach jahrelanger Vorarbeit konnte am 1.9.1900 endlich eine vierklassige Realschule in Deggendorf gegründet werden. Als 1. Rektor wurde Friedrich Dilger, ein gebürtiger Schwabe, bestimmt.
Zur Aufnahme in die 1. Klasse meldeten sich 47 Schüler aus
der Volksschule, die anderen drei Klassen konnten mit Schülern aus der
gewerblichen Tagesfortbildungs-schule gebildet werden. Rektor Dilger begann das 1. Schuljahr mit vier Lehrern und 93
Schülern.
Untergebracht war die neu gegründete Königliche Realschule
im alten Knabenschulhaus in der Rosengasse 12. Dieses leerstehende
Gebäude bot sich an, weil die Volksschule in die neue "Knabenschule"
umgezogen war. Schon bald stellte sich heraus, dass sich sowohl die
Gebäude als auch die Einrichtung in einem sehr schlechten
Zustand befanden. Deshalb drängte Rektor Dilger in
sehr fordernder Weise Bürgermeister Kinskofer und die
Stadt um weitere Zuschüsse für die Einrichtung der Schulräume und vor allem auf
einen Neubau.
Trotz stagnierender Schülerzahlen konnte Rektor Dilger den Ausbau zur sechsklassigen
Realschule 1903 vollenden. Inzwischen unterrichteten sechs hauptamtliche
Lehrer die 142 Schüler. Im Jahre 1904 wurden 8 Absolventen nach bestandener
Absolutorialprüfung feierlich entlassen.
1906 wurde bereits im Stadtrat beschlossen, ein Realschulgebäude
zu errichten. Eine ausgewählte Kommission von Gemeindekollegium und Magistrat
reiste nach Traunstein, um das dortige Internat zu besichtigen. An die 100
Deggendorfer und Schachinger Bürger forderten sogar
1906 in einer Petition, die Realschule in eine Oberrealschule umzuwandeln.
Die Stadt als Träger für Personal- und Sachkosten aber
zögerte noch. Einerseits waren die Schülerzahlen in den folgenden Jahren
rückläufig und die Finanzierung ungeklärt, andererseits fehlte zur
Unterbringung potenzieller Schüler aus dem Bayerischen Wald ein Internat und
schließlich stieß der forsch fordernde Ton des Rektors bei Bürgermeister und
Stadtrat auf taube Ohren, so dass man beim Thema "Neubau einer Realschule"
"mauerte".
Um zumindest guten Willen zu zeigen, gaben die Stadtväter beim
Münchener Architekten Johann Baptist Schott (1853-1913), bekannt
u.a. durch den Bau der Deggendorfer Knabenschule oder der Basilika in Altötting, die
Planung eines Schulhauses in Auftrag, verbunden mit dem Bau eines
Schülerpensionats. Mit verschiedenen Bauplatzvarianten glaubte man den Neubau
von Schule und Heim verzögern zu können.
Resigniert ließ sich im Jahre 1909 Rektor Friedrich Dilger an die Realschule nach Kaufbeuren versetzen. Zu
seinem Nachfolger wurde der Königliche Reallehrer Dr. Hans Wörle von der
Realschule Neuburg a.D. ernannt.
Dr. Wörles Kooperationsbereitschaft mit der Stadt und die
große Unterstützung durch Schüler, Lehrer und insbesondere der einflussreichen
Elternschaft brachten wieder Bewegung in die erstarrten Fronten bei den Neubauplänen.
Der neue Rektor versuchte mit der Idee, zuerst ein Schülerheim zu errichten, um
möglichst viele Schüler zu gewinnen, die Stadt mit der Steigerung der
Schülerzahlen in Zugzwang zu bringen. Außerdem ließ der Schulleiter keine
Gelegenheit verstreichen, als Vorsitzender des Deutschen Flottenvereins oder
des deutsch-österreichischen Alpenvereins, Sektion Deggendorf, und als Mitglied
vieler örtlicher Vereine mit mitreißenden Worten auf die Notwendigkeit des
Neubaus der Realschule und eines Heims hinzuweisen. Diese Taktik führte
schließlich zum Erfolg.