Obwohl die Realschule in Deggendorf erst im Jahre 1900 gegründet wurde, beginnt die Vorgeschichte unserer Schule bereits im Jahre 1850. In diesem Jahr beabsichtigte nämlich der Deggendorfer Stadtmagistrat eine höhere Schule, ein sog. "Benefizium", unter kirchlicher Trägerschaft nach dem Vorbild der klösterlichen Lateinschulen in Metten und Niederaltaich einzurichten. Als diese Pläne am Widerstand des Bischöflichen Ordinariats in Regensburg aus finanziellen Gründen scheiterten, beschloss der Stadtrat 1868 zumindest eine gewerbliche Tagesfortbildungsschule für Lehrlinge und Gesellen zu gründen. Lehrplanreformen und die Ergänzung der Stundentafel mit zusätzlichen allgemeinen Fächern führten zu einer allmählichen Angleichung der gewerblichen Tagesfortbildungsschule (Vorläufer der heutigen Berufsschule) an die vierklassige Realschule. Als dann im Jahre 1866 Deggendorf als Sitz einer Präparandenschule (Schullehrerseminar) ausgewählt wurde, flammte erneut die Diskussion um eine weiterführende Schule in Deggendorf auf. Vor allem die Bürger der Stadt, die ihre Söhne nicht auf die teueren Lateinschulen nach Metten, Straubing oder Passau schicken wollten, machten Druck auf den Stadtmagistrat. Dieser sandte wiederholt Anträge und Gesuche an die zuständigen Stellen. Erst 1897 gab die Versammlung niederbayerischer Landräte nach kontroverser Diskussion dem dringenden Gesuch der Deggendorfer Stadtväter nach und gewährte einen Jahreszuschuss von 12.000 Mark für die Errichtung einer Realschule. Dieser Zuschuss deckte bereits einen Großteil der vom Stadtkämmerer errechneten 19.490 Mark jährlicher Personal- und Sachkosten für die geplante Realschule. Als dann auch noch das Kultusministerium ein Fundationskapital von 30.000 Mark für einen Schulneubau zur Verfügung stellte, der allein 1.200 Mark an jährlichen Zinsen einbrachte, war die Finanzierung gesichert.